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Ein Wort über den Taigan

Von Almaz Berdigulovich Kurmankulov, 

führender Experte für die Windhundrassen in Kirgistan, Kynologe beim Jagd- und Fischereiverband der Kirgisischen Republik, verantwortlicher Sekretär des Republikanischen Kynologischen Rates der Kirgisischen Republik, Biologe. 

Die Bewahrung und Wiederherstellung der endemischen Rasse des Kirgisischen Windhundes, bekannt als der Taigan, ist von hoher historischer und ethnographischer Bedeutung. Diese Jagdhunderasse, deren Blutlinie zur Gruppe der orientalischen Windhunde gehört, hat ihre Ursprünge in alten Zeiten und diente bereits den frühen nomadischen Bergbewohnern. Die Existenz unserer Vorfahren basierte auf der Viehzucht sowie der Jagd. Die Jagd diente als zusätzliche Nahrungsquelle. Und die Felle der erjagten Tiere konnten die Nomaden gegen Dinge eintauschen, die sie nicht selber produzierten: Getreide, Stoffe, Gewürze. Das Fehlen starker und effizienter Jagdwaffen machte den Hund unentbehrlich für diesen Zweck. Der Dienst des Taigan bestand nicht nur in der Jagd auf Beutetiere, sondern auch in der Abwehr des Wolfes, einer direkten Bedrohung für die Viehherden. So diente der Taigan seinem Besitzer in allen wichtigen Aspekten des Überlebens.

Die Wichtigkeit des Hundes für die nomadischen Völker verlangte eine strenge Zuchtauswahl, um die essentiellen Qualitäten für das Überleben unter harten Existenzbedingungen zu befördern. Die Bergnomaden brauchten harte, anspruchslose, extrem wendige Hunde, die dem Wolf an Zähigkeit überlegen waren. Daher, durch die Selektion des Windhundes, wurde die einmalige Abstammung des Taigan entwickelt, dessen Qualitäten Schnelligkeit, Ausdauer, Wendigkeit, Treue, Siegeswillen und Anpassungsfähigkeit an die Bedingungen des Hochgebirges sind.

Mit dem Aufkommen des Ackerbaus und der Feuerwaffen begann die Population des Taigan zurückzugehen. Dies ist eine Auswirkung der Transformation des Nomadentums zu einer eher sesshaften Existenz, die teilweise mit einem Aussetzen der Taigane durch ihre Besitzer und lokalen Kampagnen zur Ausrottung streunender Hunde einherging.

Obwohl die Viehhaltung in Kirgistan immer noch in entlegenen, bergigen Regionen stattfindet, setzt die moderne, halbnomadische Lebensweise den Taigan einem Konflikt aus, da die Viehzüchter mit ihren Herden während der Wintermonate in die Täler ziehen. Im Tiefland wird der Taigan weniger gebraucht, und er ist unfähig, sich dem modernen Leben anzupassen. In Zwinger eingesperrt oder angekettet, leidet dieser vorher freie Hund unter Angst und Stress. Während er in den Sommermonaten völlig frei war und große Distanzen in den Bergen zurücklegen konnte, ist es ihm in den Siedlungen bestenfalls möglich, kurze Spaziergänge an der Leine zu machen. Während der Taigan in den Bergen ein wichtiger Partner des Menschen ist, wird er in der Stadt zur Belastung und braucht viel Aufmerksamkeit.

Alle Windhunde sind in der Lage, in kurzer Zeit große Mengen Adrenalin auszuschütten. Dies erklärt ihre explosive Natur, besonders diejenige des Taigan. Es ist nötig, dass ein regelmäßiger Adrenalinausstoß erfolgt, um einen überhöhten Level zu vermeiden. Fehlt die Aktivität, sind eine erhöhte Nervosität und manchmal Depressionen die Folge. Ständige und lange Aktivität sind daher eine Voraussetzung für die Haltung des Taigan in der Stadt, während die Freiheit seine Fürsorgerin während des Lebens mit dem Nomaden in den Bergen ist.

Aus diesem Grunde ist es wichtig, sich auf das züchterische Wissen der Nomaden zu besinnen. Nomadische Züchterkunst hat einmalige Haustierrassen hervorgebracht, so beispielsweise das Araberpferd, den Akhal Tekiner, fast alle Windhundrassen etc.

Generell betrachtet, hatten Nomaden immer zwei unterschiedliche Hundeformen für zwei unterschiedliche Zwecke: 1) für die Jagd, 2) zum Bewachen ihres Eigentums und zum Schutz ihrer Herden. Der erste Hund half bei der Beschaffung essentieller Dinge - Fleisch, Pelz etc. – und er tötete gefährliche Tiere – Wölfe, Raubkatzen, Schakale. Der zweite Hund bewachte die Herden und half, verlorene Nutztiere wiederzufinden. Der erste Hund war der Windhund und der zweite der Hirtenhund. Praktisch jedes Nomadenvolk der Alten Welt hat diese Hunde; bei den Kirgisen sind dies der Kirgisische Windhund Taigan und der Kirgisische Hirtenhund.  

Der Taigan ist ein nationaler Schatz, der uns von unseren großen Vorfahren vererbt wurde. Der Taigan wird in vielen Legenden und volkstümlichen Geschichten gefeiert. Im über tausendjährigen Epos “Manas” wird der Taigan bereits als Rasse erwähnt. Auch alte chinesische, arabische und westliche Quellen deuten auf die Existenz des Taigan hin. Über die lange Geschichte und historische Bedeutung der Rasse können keine Zweifel bestehen.

Die Migration der Kirgisen war ein langer und ausgedehnter Prozess, der sich über weite Teile Zentralasiens und Sibiriens erstreckte. Daher hatte sich die Zucht von Hunden den ständig sich verändernden Umweltbedingungen anzupassen. Der Taigan nahm in sich viele gute Qualitäten der Windhunde auf. Man findet in ihm viele einmalige wie universelle Charakterzüge der Windhundgruppe. Aber der Taigan hat auch Qualitäten, die man bei anderen Windhunden nicht findet. Dies Qualitäten sind seine Anpassung an das Leben im Hochgebirge, seine Lernfähigkeit und sein intelligentes Sozialverhalten im Zusammenleben mit dem Menschen. Da die nomadische Viehzucht weitläufige Weidegründe mit dünner Besiedelung erfordert, begannen die Menschen damit, intelligente Hunde für den Zweck der sozialen Gemeinschaft auszusuchen. Der Taigan ist ein sehr kluger Hund, der ein hohes Einfühlungsvermögen gegenüber dem Menschen besitzt.

Die Kirgisen lieben und wertschätzen den Taigan. Mein ganzes Leben lang habe ich von Jägern und Viehzüchtern niemals irgendeine Kritik gegenüber dem Taigan gehört. Jeder kirgisische Mann wird die Vorzüge des Taigan verteidigen. Wer einem Kirgisen sagt, dass der Taigan ein nutzloser Hund ist, wird sicherlich niemals sein Freund werden.

Während Hunger- und Katastrophenzeiten war der Taigan ein verlässlicher Helfer und Versorger. Der Taigan verdoppelt die Effektivität der Jagd. Wenn der Taigan sich in seiner natürlichen Umwelt befindet, benötigt er wenig Aufmerksamkeit des Menschen. Er ist fähig, sich selber sein Futter zu erjagen; er fängt sogar wildlebende Vögel. Der Taigan ist sogar so scharfsinnig, dass er erkennen kann, welches Wild sein Besitzer haben möchte und was dieser zum Essen benötigt. Diese Fähigkeit entwickelte sich während des langen Zusammenlebens über viele Zeitalter hinweg.

In jüngster Zeit war der Taigan Objekt zahlreicher dubioser Zuchtaktivitäten, die der Rasse Schaden zufügten. Es existieren zahlreiche Clubs, Hinterhofzuchten und Hersteller fragwürdiger Ahnentafeln, alle auf kommerzieller Basis. Wir sind nicht gegen Kommerz, aber er darf die Rasse nicht beschädigen oder zu ihrer Vermischung führen. Die Hauptgefahr für den Taigan besteht im Export der Rasse, hauptsächlich durch illegale Kanäle, sowie im Auftauchen von Hunden im Ausland, die keine reinrassigen Taigane mehr sind. Noch schlimmer ist das Auftreten von Dilettanten, die diese Mischlinge als echte Taigane bezeichnen. Manche Leute erklären den Rückgang der Rasse damit, dass es keine systematische Zucht und keine entsprechende Dokumentation gäbe. Dies entspricht nicht der Wahrheit: In Kirgistan gibt es gegenwärtig einen offiziellen organisatorischen Rahmen. Den Republikanischen Kynologischen Rat, Sektion Rassehundezucht, sowie regionale Untersektionen zur Zucht reinrassiger Jagdhunde. Dieser organisatorische Rahmen stellt die Zucht von Rassehunden unter strenge Kontrolle. Dies ist die Antwort unserer Republik zur Verteidigung der Rasse, und zur Bewahrung ihres Rassestandards. 

Seit 1994 gibt es ein Dekret, das den Export des Taigan kontrolliert. Die Rasse ist einzigartig und endemisch. Wir sind nicht gegen die Verbreitung von reinrassigen Hunden. Da es aber nur ein paar wenige Experten auf diesem Gebiet gibt, ist es notwendig, den illegalen Export zu unterbinden. Um einen Taigan zu exportieren, muss man nun eine staatliche Genehmigung beantragen, die nur unter Berücksichtigung der aktuellen Notwendigkeiten für die Rasseentwicklung im Lande erteilt wird. Am 18. Juni 1998 verabschiedete Kirgistan das “Gesetz der Kirgisischen Republik betreffend die Einführung von Maßnahmen zur Durchsetzung administrativer Bußen”. In Teil II dieses Gesetzes, Kapitel 15, Artikel 156 wird eine Buße für die “Verletzung von Regeln betreffend die Zucht, Pflege und Erwerb des Kirgisischen Taigan....” festgelegt, die von einem Betrag von einem bis zu fünf Mindestlöhnen reichen kann.  

Die Rasse Taigan ist von großer Bedeutung in der Geschichte und Kultur von Kirgistan. Wir sind nicht gegen Kooperation, doch wir müssen unseren nationalen Schatz gegen Dilettantismus und die Bedrohung durch Schmuggler verteidigen. Wenn jemand Mischlinge als reinrassig deklariert, verletzt er das Recht. Dieser Artikel soll einen ersten Eindruck vom Taigan vermitteln. Spätere Artikel werden den Leser mit weiteren Details vertraut machen. 

Quelle: National Society Kyrgyz Taigan, 2002

Aus dem Englischen von Jan Scotland