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Texte Expedition ins Gebiet Naryn (I) |
In dem alten kirgisischen Heldenepos “Manas” gibt es eine Strophe, die einen Kirgisischen Taigan namens Kumayik besingt. “Manas”, der Held des Epos, begegnete diesem Taigan, als er aus den Bergen seiner kirgisischen Heimat in die Stadt Andischan im Ferghana-Tal reiste, um dort seine Braut zu treffen. Manas war beeindruckt vom Anblick dieses Hundes und von seiner mächtigen Statur. So konnte er nicht widerstehen. Gemeinsam reisten sie in die berühmte Handelsstadt Andischan. Dieser epische Taigan trug den Namen Kumayik, und dies nicht zufällig. Der Name Kumayik ist das Symbol hervorragender Fähigkeiten und großer Tapferkeit. Und dies kommt so: In alter Zeit lebte nämlich in den Bergen ein hochangesehener Kirgise, der ein berühmter Viehzüchter und erfolgreicher Jäger war. Er hatte zwei Hunde: Einen Hund, um seine Herden zu hüten, und einen Hund für die Jagd – einen Taigan. Die Jagd gehörte zum Leben dieses frühen Kirgisen. Generation um Generation seiner Ahnen waren Jäger gewesen, und die Waffen wurden mit großem Stolz und Respekt vererbt. Der Taigan war ein unverzichtbarer Gefährte für diesen Jäger, wie schon für seine Vorfahren. Eines Tages siedelte sich eine Wolfsfamilie in der Nähe des Heimes des Jägers an. Seine Nachbarn waren beunruhigt, denn die Wölfe rissen das Vieh und ihr Heulen tönte durch die Nacht. Als die Wölfe wieder einmal in die Siedlung eindrangen, gelang es dem Jäger, den Alpha-Rüden zu töten. Doch die Wölfin schaffte es, zu entkommen. Sie wusste nun um die Gefahren, die ihr und ihrem Nachwuchs von dem Jäger und seinen Hunden drohten. Trotz größter Gefahr für ihr eigenes Leben fuhr sie fort, unter Aufbringung allen ihres Mutes in die Siedlung einzudringen, und sie tötete die Welpen der Jagdhunde, da sie wusste, dass sie die künftigen Verfolger ihres eigenen Blutes ein würden. Der Jäger entwickelte Pläne, um die Wölfin zu fangen, doch sie war zu intelligent und schaffte es immer wieder, seinen Fallen und Hinterhalten zu entkommen. Kein Hund wagte es, sie direkt anzugreifen, denn die Angst einer Mutter, die ihren eigenen Nachwuchs verteidigt, hatte sie sehr stark und kraftvoll gemacht. So entschied sich der Jäger, einen Berg-Steinadler zu zähmen, in der Hoffnung, dass dieser die Wölfin fangen könnte. Doch auch der Steinadler war nicht erfolgreich, und er wurde von der Wölfin getötet. Seine letzte Hoffnung setzte der Jäger auf den größten aller Raubvögel – den Schneegeier. Der Jäger stieg auf den höchsten Felsen, um ein Küken des Schneegeiers aus dem Nest zu holen. Auf Kirgisisch wird dieser Vogel Kumay genannt. Der Kumay ist viel größer als der Steinadler, doch nicht so mutig. Um den Nestling stark zu machen und um seine Angriffsbereitschaft zu fördern, zog der Jäger ihn unter den selben harten Trainingsbedingungen auf, die er auch für seine Jagdhunde anwendete. Er hielt das Küken vollkommen isoliert und zeigte es niemandem unter seinen Nachbarn. Er arbeitete hart, um eine tiefe Grube auszuheben. Als sie fertig war, brachte er in ihr den jungen Schneegeier unter. Trotzdem entgingen diese Vorgänge nicht der Aufmerksamkeit der Wölfin, die sie mit großem Misstrauen beobachtete. Sie wusste, dass die Menschen immer eine Bedrohung für ihre Art darstellten. Sie versuchte mehrere Male, in die Grube einzudringen, doch ohne Erfolg. Einige Zeit später drang aus der Grube das Gebell eines Hundewelpen. Trotzdem fuhr der Jäger fort, das Tier in der Grube mit Fleisch und gekochtem Talkan zu füttern – Talkan ist ein geröstetes Maismehl, aus dem die Kirgisen ein sehr nahrhaftes und gesundes, nichtalkoholisches Getränk zubereiten, welches Maksim genannt wird. Die Zeit verging, und eines Tages war aus dem jungen Schneegeier ein starker, kluger und unverwundbarer Jagdhund geworden. Allein der Anblick dieses Hundes genügte, um die Wölfin die Flucht ergreifen zu lassen. In Erinnerung an seine Geburt als Schneegeier nannte der Jäger diesen Hund Kumayik. Kumayik diente dem Jäger mit Ehre und Mut, und er hinterließ viele Nachkommen. Interessant ist, dass in jedem der von ihm gezeugten Würfe nur ein einziger Welpe war. Und dies ist der Grund, warum die Kirgisen bis heute einen einzeln geborenen Welpen Kumayik nennen. Viele kirgisische Jäger sind davon überzeugt, dass ein Einzelwelpe stärker, intelligenter und tapferer wird als andere Hunde. Vielleicht kommt dies daher, dass ein einzelner Welpe mehr Nahrung und mehr Aufmerksamkeit von seinen Eltern erhält. Unter den Jäger besteht bis heute der Glaube, dass sich die Wölfe von einem solchen Welpen besonders bedroht fühlen und jede Anstrengung unternehmen, ihn zu töten. In alten Zeiten hatten die kirgisischen Nomaden zwei Hunderassen: Der Kirgisischen Windhund Taigan und den Kirgisischen Hirtenhund. Der Taigan besteht bis heute als reine Rasse und als exzellenter Jagdhund. Der Kirgisische Hirtenhund – eine derjenigen Rassen, aus denen man in der Zuchtstation “Rote Morgendämmerung” den Zentralasiatischen Hirtenhund (Mittelasiatischer Owtscharka) gezüchtet hat – steht kurz vor dem Aussterben. Nur wenige Kirgisische Hirtenhunde haben in den entlegensten Regionen unserer Republik überlebt. Der Hauptgrund für das Verschwinden dieser Rasse ist ihre Vermischung mit anderen Hunderassen. Die Kirgisen haben eine hohe Wertschätzung für einen guten Hund. In manchen Fällen werden viele Stück Vieh für einen guten Welpen eingetauscht. Wer ein Beispiel für einen solchen ehrwürdigen Hund braucht, muss sich nur an die Legende von Kumayik erinnern. Quelle: National Society Kyrgyz Taigan, 2002 Aus dem Englischen von Jan Scotland |
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